„Weidetierhaltung gezielt fördern“

Landschaftspfleger und Berufsschäfer appellieren an Agrarministerkonferenz

(lifePR) – Tierhaltung auf Weiden wird von der Gesellschaft und dem Verbraucher explizit gewünscht. Sie ist einzigartig, weil sie Funktionen erfüllt, die anders nicht erreichbar sind. Damit weidetierhaltende Betriebe auch in Zukunft existieren können, müssen Bund und Länder bei der Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) Mindestanforderungen erfüllen – sonst wird die traditionelle Beweidung mit den sie betreibenden Schäfern und Bauern mittelfristig aussterben. Darauf weisen der Deutsche Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) und der Bundesverband Berufsschäfer e.V. in einer gemeinsamen Presseerklärung hin.

Der Anlass: In der kommenden Woche – vom 28. bis 30. August – tagt in Würzburg die Herbst-Agrarministerkonferenz. Dort werden entscheidende Weichenstellungen erwartet, die den in vielen Punkten flexiblen Rahmen der neuen Agrar-Förderperiode aus Brüssel national konkretisieren. „Weidetierhaltung benötigt eine gezielte Förderung“, appellieren die Landschaftspfleger und Berufsschäfer mit ihren Praxiserfahrungen: „Das wirtschaftliche Überleben gerade der Betriebe, die solche historische Nutzung praktizieren, ist immer stärker in Frage gestellt. Es liegt in der Hand von Bund und Ländern, durch eine vorausschauende Umsetzung der GAP in den kommenden Jahren die weitere Existenz der Weidebetriebe zu ermöglichen.“

Denn Betriebe mit Weidetierhaltung bringen in hohem Maße Leistungen für die Gesellschaft, heißt es in einem gemeinsamen Eckpunktepapier: Sie erzeugen besonders hochwertige Lebensmittel und Rohstoffe, gestalten Landschaften und ein reiches Landschaftsbild. Extensive Weiden gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Weidebetriebe sorgen für Erosionsschutz auf Deichen und an Berghängen, und sie fördern Wasser- und Klimaschutz.

„Das Besondere an der (extensiven) Beweidung ist, dass alle diese Einzelnutzen gemeinsam erbracht werden durch die Erzeugung gesunder Nahrungsmittel“, erklärt Prof. Dr. Eckhard Jedicke, Beweidungsexperte und Projektleiter beim Deutschen Verband für Landschaftspflege. „Die Betriebe sind hochgradig auf Weidetierhaltung spezialisiert und im Unterschied zu Ackerbaubetrieben keinesfalls in der Lage, ihre Wirtschaft auf Alternativen umzustellen“, weiß Günther Czerkus, Vorsitzender des Verbands der Berufsschäfer. 21 % weniger Schafe in Deutschland binnen nur zwei Jahren seit 2010 seien ein schrilles Alarmsignal.

Es sei allerhöchste Zeit, die gesellschaftlichen Leistungen mindestens so zu honorieren, dass das Sterben der Schäferei- und sonstiger Weidebetriebe gestoppt wird, mahnen die Verbände. „Anders lassen sich viele Zielsetzungen der EU, Deutschlands und der Bundesländer nicht erreichen – wie die Umsetzung von Natura 2000, der Wasserrahmenrichtlinie und der Biodiversitätsstrategien“, ist Jedicke überzeugt. Der Verbraucher wünsche zudem qualitativ hochwertiges Fleisch, Milch und Käseprodukte aus artgerechter Weidehaltung, unterstreicht Czerkus.

Fünf Voraussetzungen haben DVL und Berufsschäfer als „Werkzeug“ formuliert, um extensive Weidebetriebe mit Rinder, Schafen, Ziegen und/oder Pferden im notwendigen Umfang zu unterstützen:

Eine Weideprämie aus der 1. Säule soll helfen, Weidetiere in der Landschaft zu halten.
Die Definition von Dauergrünland als förderfähige Fläche muss um alle weidefähigen Flächentypen erweitert werden und soll bis zu 50 % Gehölze u.a. Landschaftselemente enthalten dürfen.
Im Rahmen der Greening-Anforderung des Erhalts von Dauergrünland sind umweltsensible Flächen umfassend zu definieren.
Deutschland muss die Möglichkeit in vollem Umfang nutzen, 15 % der Mittel in der 1. Säule in die 2. Säule zu verschieben, sofern dieser Betrag nicht vollständig über zusätzlich bereitgestellte Bundesmittel kompensiert wird.
Für benachteiligte Gebiete sind 5 % statt der durch den Bund beabsichtigen 2,5 % der Direktzahlungssumme bereitzustellen.
Weitere Informationen gibt der DVL in einem Weideblog unter www.weideblog.lpv.de.

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