Nur 14,3 Prozent im Land besiedelt

512 944 ha von 3,575 Millionen ha Fläche für Siedlung und Verkehr genutzt

siedlung

(gh) – Eines der größten Projekte der Vermessungsverwaltung der letzten 30 Jahre kommt in diesen Tagen in Baden-Württemberg zum Abschluss. Die bisherigen getrennten Verfahrenslösungen für raumbezogene Daten (Automatisierte Liegenschaftskarte – ALK) und für nicht raumbezogene Daten (Automatisiertes Liegenschaftsbuch – ALB) werden mit der Umstellung auf das Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem ALKIS systematisch verbunden. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, löst ALKIS damit das ALB als Datengrundlage für die Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung ab.

Auf Grund der Umstellungsarbeiten erfolgten die Datenlieferungen für die 3 380 Gemarkungen zu unterschiedlichen Bezugszeitpunkten, schwerpunktmäßig jedoch im August 2014. Die Darstellung zum Stichtag 31.12.2013 ist damit nicht möglich, ebenso wenig eine Berechnung des Flächenverbrauchs, definiert als die tägliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Erst mit der nächsten turnusmäßigen Datenlieferung aus ALKIS mit Stand 31.12.2014 liegen dann wieder voll mit den Vorjahren vergleichbare Zahlen vor.

Zum Stand August 2014 bezifferte sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Baden-Württemberg auf 512 944 ha. Dies entspricht einem Anteil von 14,3 Prozent an der Landesfläche (3,575 Millionen ha). Vor 10 Jahren lag dieser Wert noch bei 13,2 Prozent. Aktuell entfallen 196 932 ha oder knapp 40 Prozent auf Verkehrsflächen, d. h. Straßen, Wege, Plätze, den Schienen- und den Luftverkehr. Bei 276 608 ha oder 53,9 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche handelt es sich um Gebäude- und Freifläche, bei weiteren 31 258 ha (6,1 Prozent) um Erholungsfläche. Zu beachten gilt hierbei, dass die Siedlungs- und Verkehrsfläche in erheblichem Umfang Grün- und Freiflächen umfasst. Nach Schätzungen des Statistischen Landesamtes sind landesweit in Baden-Württemberg knapp die Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsfläche, etwa 237 031 ha oder 6,6 Prozent der Landesfläche, tatsächlich versiegelt.

Siedlungsaktivitäten prägen verdichtete Gebiete
Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Bodenfläche insgesamt differiert bei regionaler Betrachtung sehr stark. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche erreicht in den Verdichtungsräumen des Landes mit durchschnittlich 27 Prozent Flächenanteil erwartungsgemäß deutlich höhere Werte als in den Randzonen (16 Prozent), den Verdichtungsbereichen im Ländlichen Raum (17 Prozent) oder im Ländlichen Raum im engeren Sinne mit 10 Prozent. Somit kommt in den eher ländlich geprägten Landkreisen Freudenstadt, Sigmaringen, Waldshut, Ravensburg, Breisgau-Hochschwarzwald oder Neckar-Odenwald-Kreis die Siedlungs- und Verkehrsfläche auf Anteilswerte innerhalb einer Bandbreite von 9,7 bis 10,7 Prozent, in den verdichteten Gebieten wie dem Rhein-Neckar-Kreis, sowie den Landkreisen Böblingen, Ludwigsburg und Esslingen dagegen auf deutlich höhere Anteile von 19,6 bis 24,7 Prozent. In den Stadtkreisen nimmt die Siedlungs- und Verkehrsfläche zwischen 30,1 Prozent (Heidelberg) und 58,2 Prozent (Mannheim) der Flächen ein. Eine Sonderstellung unter den Stadtkreisen kommt Baden-Baden mit »nur« 14,7 Prozent zu.

Mit der Gemeindegröße steigt Siedlungs- und Verkehrsfläche deutlich an
In den kleineren Gemeinden mit weniger als 3 500 Einwohnern entfallen weniger als 10 Prozent der Bodenfläche insgesamt auf die Siedlungs- und Verkehrsfläche, in Gemeinden über 10 000 Einwohnern sind es bereits über 14 Prozent. In Städten mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern beansprucht die Siedlungs- und Verkehrsfläche rund ein Viertel der gesamten Bodenfläche, in den neun Großstädten mit über 100 000 Einwohnern sogar über 41 Prozent. Dabei gewinnt insbesondere die Gebäude- und Freifläche mit wachsender Einwohnerzahl mehr und mehr an Bedeutung und erreicht bei Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern einen Anteil von knapp 60 Prozent an der Siedlungs- und Verkehrsfläche.

Der Erholungsfläche kommt in größeren Städten weitaus mehr Bedeutung zu als in den kleineren Gemeinden. Umgekehrt werden in den kleineren Gemeinden große Anteile der Siedlungs- und Verkehrsfläche (fast 50 Prozent) für den Verkehr genutzt. Hier fallen die überörtlichen Verbindungsstraßen relativ stark ins Gewicht. In den Großstädten sinkt der Anteil der Verkehrsflächen auf 30 Prozent und darunter.

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