Das Auge der Ortenau

Fotograf, Journalist, Redakteur, Maler, Lebenskünstler: Adieu Max Köhler

MaxPortraitblog

(gh) – Das Auge der Ortenau ist geschlossen. Für immer. Max Köhler ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Auch Individualisten, Lebenskünstler wie er  sind nicht unsterblich. Der Künstler Max Köhler aber hinterlässt mehr als das, was  einmal mit denen verweht, die sich jetzt noch erinnern. Max Köhler war ein Mensch vieler Talente, und er hat sie immer auch ausprobiert. Er hat gerne gelebt, hatte bis zuletzt  Lust auf Leben, auch als es für den Körper immer beschwerlicher wurde. Er war einer, der viel herumgekommen ist, durch Abstammung und durch die Umstände, auf die ein einzelner wenig Einfluss hat. Seinen Heimatstein hat er in der Ortenau gefunden. An ihm hat er seine Seele festgemacht. Hunderte von Bildern, echte Köhler, beurkunden, wie ein immer Suchender und Findender, ein Augenmensch, die Ruhe gefunden hat. Andere, die wie er mit den Augen durch diese Landschaft gewandert sind, das Einfache, Verbindende erkennend  wie beispielsweise der große Volksschriftsteller  Heinrich Hansjakob, haben diese Region nie oder sehr, sehr spät als das Zentrum eines  Lebenshurrikans erkannt. Wer sich wie Max Köhler Zeit nimmt, um zu sehen, entdeckt, wie aufregend die Welt ist. Auch hier.

Bis Max Köhler auf die Bilder kam, bis er der heutige „Moler“ der Heimat wurde, bis er  das, was er hervorbrachte, nicht brotlose Kunst war, und nur die macht den Künstler aus. Kreativität bestimmte sein ganzes Leben. Als Fotograf beim Offenburger Tageblatt,   als lernender Schreiber beim Badischen Tagblatt, der als Einziger sich nicht   zur Konkurrenz verschieben ließ, als das BT im Ortenaukreis zumachte. Er schrieb ein Abendblatt in Offenburg,  produziert auf der Schreibmaschine und von ihm selbst vertrieben in Offenburger Kneipen. Sein Auge ließ ihn die Dinge auf seine Art sehen, er bildete sich stets seine eigene Meinung, konnte mit ihr auch provozieren, stritt für sie, und hielt diese nicht hinter den sieben Bergen der Ortenau zurück. Auch nicht als Redakteur des Schwarzwälder Boten in Wolfach. Nebenbei hielt er Eindrücke auch fest in literarischen Miniaturen.

Kühe, Schwarzwaldhäuser, Bollenhüte, Ortsansichten, Landschaften, Portraits.  Sie sind da und keine Nostalgie. Max Köhler war kein Heimattümler, kein Anstreicher von Wald und Wiese. Sein Stil ist modern, das Wesentliche erfassend, so dass der Betrachter spontan ein- und angezogen wird: „Das hat was!“ Die Ortenau hat ihn, ihr Auge verloren. Aber sie hat mit den Werken von Max Köhler, der seit Jahren in Schutterwald mit seiner Frau Erika Hansen-Lorenzen zu Hause war,  wichtige  Lebenszeichen behalten.

Der Offenburger Verleger Peter Reiff hat diese Lebenszeichen aus der Ortenau so beschrieben: „Der besondere Reiz von Köhlers Bildern liegt in der plakativen Verfremdung seiner Motive. Obwohl er mit handwerklicher Präzision nicht auf einen  hohen Wiedererkennungswert verzichtet, schaffen seine harten, schwarzen Pinselkonturen eine pulsierende visuelle Lebendigkeit. So unkonventionell, wie er sich über die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei hinweggesetzt hat, so konsequent verwischt er mit seinem künsterlischen Werk die Grenzen zwischen moderner und Heimatmalerei“.

Ein anderer Offenburger Verleger, Hubert Burda, ein Kunstexperte und Liebhaber Köhlerischer Malerei, stellte vor Jahren ebenfalls fest, und das war auch kein  Nachruf: „Die moderne Malerei kennt Vedutenmalerei auch, hat es aber dem Betrachter  nicht immer leicht gemacht. Oft wird der Gegenstand so wiedergegeben, daß man sich schwertut, ihn im richtigen Zusammenhang wiederzufinden. Vielleicht liegt es daran, daß die Bilder von Max Köhler einen so großen Freundeskreis gefunden haben. Seine Bilder sind auf eine andere Art modern. Sie erfassen in typischer Weise die wesentlichen Züge meiner Heimatstadt Offenburg“.

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