Wolfacher Nasenzug

Lange Zinken in den deutschen Medienhäusern – Mobilmachung gegen ein Land

Journalistengekauftbuch

(gh) – Ein Land, das sich selbst beschmutzt: So etwas ist nur in Deutschland möglich. Wäre es denkbar, dass französische Medien Zugewanderte und Ausländer für Beschimpfungen des eigenen Landes rekrutieren? Wo spielen sich Volksvertreter auf, als seien sie Volksverräter? Politikerkrise? Flüchtlingskrise? Ach was! Deutschland hat eine Medienkrise. In den Medienhäusern ist jeden Tag Wolfacher Nasenzug. Die Zinken werden immer länger, welche Leser, Hörern und Zuschauern gezeigt werden. Die Mobilmachung gegen das eigene Land ist im Gang.

Wer über Deutschland informiert sein will, braucht ausländische Presse. Deutschland im Frühjahr 2016 ist Deutschland des Hambacher Festes von 1832. Wer wundert sich noch, dass schwarz-rot-goldene Fahnen heute diskreditiert werden? Patrioten  sind für Politiker Idioten. All die Errungenschaften aus zwei Jahrhunderten sind für die Katz. Nur so ist erklärbar, wie es überhaupt passieren konnte, dass die Vertreterin eines gescheiterten Systems aus einem untergegangenen Land an die Spitze einer Partei und eines Staates gelangen konnte, welcher in diesen Tagen beweist, dass er nur ein Satellit von Besatzern geworden ist. Nicht mehr als ein nützlicher Idiot. Seit 1945 ist dieses Land nie souverän gewesen, da hat ein aktueller Bundesfinanzminster offenbar recht.

Die schlimmsten Versager dieser sogenannten Bundesrepublik Deutschland toben sich in den Medien aus. Aus der vierten Macht ist eine einzige Ohnmacht geworden. Gleichgeschaltet ist diese Presse in Deutschland, wie Die Weltwoche dieser Tage schrieb. Hat jemand einen Protestschrei gehört? Wo es nicht juckt, kratzt sich niemand in diesem Land.

Bei den aktuellen Wolfacher Nasenzügen brechen nicht einmal die Zinken derer, welche dem Volk besonders lange Nasen machen. Ein Einheitsparteienblock braucht auch eine Einheitspresse. Diese ist wie stets vorauseilend dabei. Hat sich seinerzeit nicht sogar Goebbels gewundert, wie die Presse sich selbst angepasst und vereinheitlicht hat in Meinungspropaganda? Warum soll eine Kanzlerin  anderes erwarten als das, was sie seit Jahrzehnten kannte? Wer nach dem Krieg mit den alten Kameraden Neuanfang vorspielte, von dem war doch nichts Neues zu erwarten. Mal zieht sich ein Wolf ein Schaffell über, mal tut er nur so, als hätte er umgeschult. Der Philosoph Sloterdijk sieht im Journalismus „Verwahrlosung“ und „zügellose Parteinahme allzu deutlich“ hervortreten. Das Bemühen um Neutralität sei gering, „die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.“

Was von einem Land der Wolfacher Nasenzüge zu halten ist, haben zwei der bekanntesten deutschen Philosophen kundgetan. Rüdiger Safranski: „Deutschland hat nach 1945 als besiegte Nation ihre Souveränität verloren. Bis zum Mauerfall 1989 hatte Westdeutschland aussenpolitisch eine bequeme Existenz: Wir standen unter dem Schutzschild der Amerikaner und waren für nichts verantwortlich. Da wir nicht für uns sorgen mussten, wurden wir infantil. Wir wussten nicht mehr, was Aussenpolitik bedeutet. Erst 1989 wurde Deutschland wieder souverän und bewegt sich bis heute sehr unsicher auf dem internationalen Parkett. Wir schwanken zwischen ökonomischem Selbstbewusstsein und einem weltfremden Humanitarismus. Unsere Aussenpolitik wird zu einer moralischen Mission. Überall in Europa ausser in Schweden sagt man: ‚Die Deutschen spinnen‘. Das Unreife der deutschen Politik kommt in der Maxime zum Ausdruck, bei Flüchtlingen dürfe man keine Grenzen setzen. Da wird etwas nicht zu Ende gedacht. Denn gemäss heutiger Praxis wären, gemessen an den hiesigen demokratischen und ökono­mischen Standards, zwei Drittel der Weltbevölkerung in Deutschland asylberechtigt. Dass unsere Flüchtlingspolitik einem Denkfehler unterliegt, müsste einem spätestens da auffallen“. Peter Sloterdijk: „Die deutsche Regierung hat sich in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben…Wir haben das Lob der Grenze nicht gelernt…Die Europäer werden früher oder später eine effiziente gemeinsame Grenzpolitik entwickeln. Auf die Dauer setzt der territoriale Imperativ sich durch. Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung…Der Lügenäther ist so dicht wie seit den Tagen des Kalten Kriegs nicht mehr.“

In Wolfach ist der „Nasenzug“ sozusagen der letzte Aufmarsch am Fasnetsdienstag. Nur Männer dürfen teilnehmen, verkleidete Frauen werden,fals erwischt, in einen Brunnen geworfen. Geschildert wird der Zug so: „Die Männer und Buben tragen ihre Kittel letz herum, d. h. die Innenseite nach außen gekehrt zur besseren Auslüftung. Den obligatorischen Hut schmückt keine bunte Vogelfeder, sondern ein schlichter Holzspan, ein „Reifschniederspan“. Selbstverständlich gleicht keine Nase der anderen. Hier erkennt man Improvisationskünstler und kreative Talente aller Stilrichtungen. Manche präsentieren sogar lokale oder gesellschaftliche Themen en miniature auf ihrem Zinken. Auch bei den mitgeführten Krachinstrumenten stammen die allerwenigsten aus einer Musikalienhandlung. Ob Kuhhörner, Topfdeckel, Schellen, ja auch Autofelgen und Kreissägeblätter sind unter anderem zu hören, denn ein kräftiger Lärm (die Nasenzügler nennen es ihre Musik) kündigt das Ereignis schon von weitem an. Als Gürtel dient ein einfaches Rinderseil, mit dem sich manche aneinander binden, um Verirrungen zu vermeiden“. Was am Fasnetsdienstag endet, ist jetzt in Deutschland Dauerzustand. Ein ganzes Land am Gängelband einer Diktatorin.

Deutschland verdankt dem untergegangenen Landkreis Wolfach zwei  bedeutende Hinterlassenschaften: Den Wolfacher Nasenzug und das Hornberger Schießen, ohne das kein EU- oder Weltgipfel erklärbar wäre.

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