Händchenhalten in Verdun

Mutter Teresa II und Schröderimitator kasperln durch die Geschichte

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Kaiserdom in Speyer: Eines von vielen Brandmälern Ludwig XIV.

(gh) – Deutschland und Frankreich bleibt auch nichts erspart. Merkel und Hollande gaben sich das Händchen in Verdun. Flucht  in eine ferne Vergangenheit. Wann schaffen sie es in die Gegenwart? Es war deutsch-französischer Sonntag. Mit vielem überflüssigen Gerede. Zwei, die am Umfallen sind, wollen sich halten? Mutter Teresa II aus Deutschland und ein Schröderimitator aus Frankreich. So kasperln sie durch die Geschichte, und die Staatspropaganda wird es wieder in den Wohnzimmern ins gewollte Bild setzen.

Nein, es steht nicht gut um die vielgepriesene deutsch-französische Freundschaft. Was Adenauer und De Gaulle aus echter Überzeugung getan haben ist längst verkommen in einer EU der Beliebigkeit und der  viertklassigen politischen Unterelite, die allein um ihre Ausgesorgtheit bemüht ist. Merkel ist ein Auslaufmodell, welches längst aus dem Verkehr gezogen werden müsste, Hollande nicht einmal mehr ein Schatten an brennenden Barrikaden. Beide haben ihre Chance gehabt nach dem Attentat auf die Satirezeitschrift in Paris. Ihre Betroffenheitsinszenierung auf einer abgesperrten Nebenstraße  für ein Bild, das um die Welt ging,konnte nicht verlogener sein. Jetzt ist’s aber genug! Dass sie selbst nicht merken, wenn es Zeit ist, zu gehen, sondern immer noch eins drauf setzen, nimmt ihnen auch die letzte Glaubwürdigkeit.

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Die katholische Kirche in Erstein schmückt sich mit diesen Fotos. Weil dort immer Frankreich war?

Warum nicht Händchenhalten in Speyer? Wahrhaftiger Umgang mit Geschichte ist etwas anderes als das, was in beiden Ländern, dem östlichen und dem westlichen Teil des Frankenreiches, jeder für sich zusammenspinnt. Deutschland steht seit dem Zweiten Weltkrieg neben sich, nimmt nun alle Sünden der Welt auf sich. Frankreich zehrt von der Grande Nation eines Napoleons als Riese, der ein Zwerg ist. So werden sie über den Rhein nie zusammenfinden.

Während an der Fassade der katholischen Kirche in Erstein die Generäle De Gaulle und Leclerc  prangen, weil sie  dort Weihnachten 1944 sozusagen als Befreier  die Mitternachtsmesse besucht haben,  so erinnert in Speyer nichts an die Einäscherung der Stadt einschließlich Dom 1689 durch die Truppen des Feuerkönigs Ludwig XIV. Auch das Heidelberger Schloss hat er auf dem Gewissen. Sein ganzes militärisches und politisches Trachten  war auf Landraub deutscher Gebiete links des Rheines und auf Zerstörung rechts des Rheins ausgerichtet. So betitelte die Welt  im vergangenen Jahr einen Artikel: „Als Frankreichs Armeen Deutschland verwüsteten – Seit 1688 zogen Jahr für Jahr französische Heere durch den Westen Deutschlands. Städte wurden niedergebrannt, Landstriche entvölkert. Wut und Hass begründeten die viel zitierte ‚Erbfeindschaft‘ „. Was war in Speyer? Um noch einmal die Welt zu zitieren: „Besonders schlimm wütete General Ezéchiel de Mélac. Er leitete die Zerstörung des Heidelberger Schlosses, einen der schönsten Renaissancebauten Deutschlands. Seine Truppen verwüsteten auch die Burg Rheingrafenstein, das Kloster Hirsau, die Ebernburg. ‚Bevor sie Brand anlegten, plünderten sie nicht nur alles, was sie Gutes vorfanden, sie vergewaltigten auch schamlos Mädchen und Frauen und begingen Tausende von Übergriffen solcher Art‘, heißt es in einem zeitgenössischen Bericht aus Heidelberg. Für Speyer dachten sich die Besatzer eine besondere Bosheit aus. Die alte Kaiserstadt mit ihrem romanischen Dom war seit September 1688 von französischen Truppen besetzt. Am 16. Mai 1689 befahl Montclar, ‚alle Einwohner müssten innerhalb sechs Tagen die Stadt verlassen; aber niemand dürfe bei Todesstrafe den Rhein überschreiten. Alle Vertriebenen sollten sich im Elsass ansiedeln und dort Untertanen des Königs von Frankreich werden. ‚Ein unbeschreiblicher Jammer hub in Speyer an‘, berichtete der Rektor des Gymnasiums Daniel Hofmann aus jenen Tagen. Vor allem die Zerstörung des Domes besaß für die Franzosen Priorität. Dieses massive Steingebäude konnte man nicht ohne Weiteres anzünden. Montclar machte scheinbar großzügig den Bewohnern das Angebot, alle Habseligkeiten, die sie nicht mitnehmen könnten, unter dem Dach des Doms aufzustapeln. Man werde die Kirche verschonen. ‚Da weitaus nicht genug Wagen zum Fortschaffen der Hausgeräte und Möbel aufzutreiben waren, so brachte man alles Überschüssige in das Schiff des Domes, das bald damit angefüllt war‘, berichtet Magister Hofmann. Im Dom zu Speyer waren acht deutsche Könige und Kaiser begraben, darunter Rudolf von Habsburg. Ihre Gräber wurden von den Franzosen am 31. Mai aufgebrochen und die Gebeine in der Umgegend verstreut. Dann zündeten sie das reichlich vorhandene Gut im Kirchenschiff an und brannten das Gebäude sowie die ganze Stadt nieder“.

Erst, wenn in beiden Ländern die geschichtlichen Fakten auf dem Tisch liegen, wird man von deutsch-französischer Versöhnung sprechen können. Auf Lügen aufgebaut ist sie eine wackelige Angelegenheit.  Es gibt viele Speyrer, an die sich Frankreich erinnern sollte. Solange aber getan wird, als wären Elsass und Mosel schon immer französisch gewesen und die Deutschen die Aggressoren, die sich inzwischen als einzig Schuldige der ganzen Weltgeschichte auch dafür halten, wird das nichts mit Händchenhalten. Es ist so echt wie alles, was fürs Fernsehen gedreht und an Sonntagen geredet wird. Stets höflich aneinander vorbei.

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