Lahrer Geschichten?

Dr. Philipp Brucker, 1924-2013.

„Kaleidoskop meines Lebens“
Philipp Brucker

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1942
Wir unterschrieben und waren damit Freiwillige der Waffen-SS. Bald danach bekam ich die Mitteilung, dass ich zu der Gebirgs-Nachrichten-Ersatzabteilung der Waffen-SS in Goslar einberufen würde. Sie bildet die Soldaten für die im Norden Finnlands liegende Division der Gebirsgstruppen der Waffen-SS as. Bevor meine Einberufung nach Goslar kam, verbrachte ich noch eiige Tage Urlaub zu Hause. Das war das Ende meiner Jugendzeit. Ich war gerade achtzen, als ich aus dem Reichsarbeitsdienst entlassen – meine Ausbildung bei der SS-Gebirgs-Nachrichten-Abteilung in Goslar begann….Mitte November 1943 sagte man uns, dass die Ausbildung in Goslar beendet sei. Wir wurden nach Frankreich beordert, in ein Dorf bei Angouleme. Dortin war die SS-Divsion „Totenkopf“, der ich jetzt angehörte, verlegt worden. Sie hatten bei der Kesselschlacht von Demjansk in Russland große Verluste erlitten und war von der Front zurückgezogen worden, um sich in Frankreich wieder neu zu formeren. Hitler wünschte, dass die 6000Freiwilligen vom Reichsarbeitsdiensg (darunter also auch ich) der Division zuzuführen seien….Ich bekam die Blutgruppe A  an der Innenseite des linken Oberarms eintätowiert…..Im Februar 1944 wurde es ernst. Unsere Division kam an die Front. In Charkow in der Urane erfuhr ich zum ersten Mal, was Krieg heißt….Im Mai 1944  wurde ich von der Front abgezogen und als Offiziersbewerber zum Lehrgang in das damals deutsche Metz versetzt. Im Juli war der erste Teil des Lehrgangs in Metz zu Ende. Ich war nun Unteroffizier und kam zur weiteren Ausbildung nach Treskau, einem kleinen Ort bei Posen….Am 1. Januar 1945 hatte ich mich wieder in Nürnberg zu melden (nach Zwischenurlaub in Lahr)….Man zog uns von Nürnberg ab und verlegte uns nach Leitmeritz im Sudetenland….Im März war der Lehrgang zu Ende…Mein letzter Einsatzort war Pottenstein in der fränkischen Schweiz. Dort erlebte ich die Auflösung und die ersten Absetzbewegungen von Kameraden, die die Sinnlosigkeit der Lage schneller erkannten als ich….Ich riss die Schulterstücke und Abzeichen von meiner Uniform und besorgte mir im nächsten Dorf zivile Kleidung….Die Abenteuer dieser Flucht könnten ein eigenes Buch geben…  
(Dr. Philpp Brucker, 1961 – 1981 Oberbürgermeister von Lahr, in seinem Buch „Kaleidoskop meines Lebens“,)

Die Lahrer Oberbürgermeister von Gabriele Bohnert
Dr. Philipp Brucker (1961-1981)
Die Wahl am 15.10.1961 brachte ein Novum: Der Oberbürgermeister wurde nach der neuen Gemeindeordnung von den Bürgern in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Vier Bewerbungen gingen ein, drei Kandidaten stellten sich schließlich der Wahl: der Amtsinhaber Dr. Heinrich Friedrich, Oberregierungsrat Dr. Hermann Person und der stellvertretende Chefredakteur der Lahrer Zeitung Dr. Philipp Brucker. In diesem Wahlgang erhielt Brucker zwar eine deutliche Mehrheit von 5.139 Stimmen (Person: 2.811, Friedrich: 2.382), doch die notwendige Hälfte der Stimmen hatte er nicht erreicht. Bei der neuerlichen Wahl am 22. Oktober, bei der Person nicht mehr kandidierte, erhielt Brucker 6.796 von 10.352 abgegebenen Stimmen (Friedrich: 2.932) und war damit eindeutig zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Philipp Brucker wurde am 2.9.1924 in Lahr geboren. Nach dem Notabitur 1942 an der Boelcke-Schule, dem Wehrdienst von 1942 bis 1945 und der anschließenden Internierung bis 1948 studierte er von 1949 bis 1954 in Freiburg mit Schwerpunkten in Germanistik und Kunstgeschichte. Nach seiner Promotion wurde er 1954 Redakteur bei der Lahrer Zeitung, 1956 deren stellvertretender Chefredakteur…..
(Gabriele Bohnert ist seit Jahren Stadtarchivarin der Stadt Lahr. Gerade richtet sie das millionenteure Heimatmuseum in Lahr ein. Ist ein solcher Bericht in der dreibändigen „Geschichte der Stadt Lahr“ über die Oberbürgermeister der Stadt Lahr allgemein und Dr. Philipp Brucker speziell eine Empfehlung für eine solche Aufgabe? Welche Kompetenz hat Gabriele Bohnert hierfür? Als Archivarin und als Historikerin?  Denkt darüber in Lahr niemand nach? Wie konnte Brucker nach seiner Internierung wegen seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS, ein Tabuthema in Lahr, sechs Jahre später Leiter der Redaktion der Lahrer Zeitung werden – diese war während des Dritten Reiches das Parteiorgan – und später sogar Oberbürgermeister? Lag dies daran, das Lahr eine Nazihochburg war, wobei unter Nazis Linkssozialisten bzw. -faschisten zu verstehen sind und keinesfalls Rechte, wie heutige Linke auch in Lahr gerne Geschichtsklitterung betreiben und sich dadurch unglaubwürdig machen? Eine Aufarbeitung der Geschichte Lahrs im Dritten Reich hat bis heute nicht stattgefunden, trotz Stadtarchivarin und eines „Stadthistorikers“. Will Lahr mit einem solchen Image Besucher zu einer „Landesgartenschau“ anlocken? – Dr. Person war übrigens als OB-Kandidat damals Landtagsabgeordneter der CDU und später Regierungspräsident !  – gh)

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