Zusammenspiel von Philosophie, Soziologie und Politik

Jürgen Habermas für Europa-Engagement ausgezeichnet

Von CANTALOOP

Als Wissenschaft aller Wissenschaften bezeichnet man zu Recht die Philosophie (übersetzt: Liebe zur Weisheit). Alle Grundlagen der modernen Gesellschaften basieren auf ihr. Viele unterschiedliche Strömungen großer Geister kulminierten gegen Ende des 19. Jahrhunderts erstmals – und ermöglichten somit zumindest in der Theorie ein „lebenswertes“ Staatsgefüge. Niemals seit der Antike kam eine herrschende Regierung innerhalb Europas ohne die Ratschläge der weisen Nachfolger von Sokrates, Aristoteles und Platons aus, ohne im Chaos zu versinken.

Manche der großen Denker, wie beispielsweise Schopenhauer, oder später Martin Heidegger wurden zu eigenen Zwecken der wechselnden Machthaber instrumentalisiert. Andere wiederum zunächst nicht wahrgenommen – und erst Jahrzehnte nach ihrem Ableben entsprechend ihren Erkenntnissen gewürdigt. Hierbei denkt man natürlich sofort an Nietzsche.

Stets widersetzte sich die ernsthaft betriebene und wirkmächtige Philosophie dem Zeitgeist und erinnerte stetig daran, welche Wertvorstellungen abseits der kurzweiligen Errungenschaften aus Wissenschaft, Technik und allen Arten der Zerstreuung essentiell für die Menschheit war, ist – und bleibt.

Als da wären; die Dezenz, die Suche nach der Wahrheit, sowie natürlich ein sinnvoll-würdiges Dasein in Freiheit für alle. Leider ist der Grenzbereich zwischen Philosophie (Suche der Wahrheit) und Ideologie (Verleugnung der Wahrheit) breit überlappend. Nicht immer ist es deshalb für die Protagonisten einfach, ihre Positionen der Wahrnehmung allgemein verständlich auszudrücken.

Die Erkenntnis der Weisheit als gesellschaftlich-politisches Regulativ
Wenn man sich die jüngsten philosophisch  induzierten „Auffälligkeiten“, insbesondere auf Deutschland gemünzt betrachtet, so fällt einem sofort die berühmte „Frankfurter Schule“ , gewissermaßen als antiquierter „thinktank“, ins Auge. Aus hehrem Antifaschismus heraus gegründet, ist deren aktuelle Nachfolgegeneration noch mehr ideologisch verbrämt, als ihre Altvorderen. Die dem Wohlstand geschuldeten Auswucherungen der Neuzeit in Form von Multikultur, Gender und Feminismus wurzeln zu deutlich im Gedankengut von Marcuse, Horkheimer und Fromm, ebenso in den Sphären des etwas vielschichtiger gesinnten Theodor W. Adorno, als dass man dies in Abrede stellen könnte. Kritische Unbefangenheit fühlt sich anders an.

Als ein Mitglied der Obengenannten darf sich zweifellos auch Jürgen Habermas bezeichnen. Dieser verkörpert zudem wie kein anderer Gelehrter seiner Zeit den Eindruck vom weltfremden Besserwisser, der in seiner soziologischen Semantik schwelgt und wird, gemessen an der intellektuellen Qualität anderer Vertreter aus der analytischen Philosophie, wie beispielsweise dem englischen Universal-Gelehrten Bertrand Russel, nur als zerstreuter und beratungsresistenter APO-Opa wahrgenommen, der er ja schlussendlich auch ist.

Sein erkenntnistheoretischer Mehrwert ist, obgleich er zu den meistrezipierten Autoren weltweit zählt, im Vergleich zu anderen Geistesgrößen eher gering. Ohne den „Hype“ der 68-er Bewegung – und dem warmen Rückenwind des so wohlgesonnenen linken Establishments wäre sein Bekanntheitsgrad vermutlich ein ganz anderer.

Man verleiht Preise und Auszeichnungen gerne an „Gleichgesinnte“
Dieser Tage wurde der greise Mitstreiter der sog. „Kritischen Theorie“ wieder einmal ausgezeichnet. Namentlich von  ihn hofierenden Spitzen-Vertretern und Parteifunktionären einer komplett nach links transformierten Gesellschaft. Sichtlich wohl fühlte er sich dabei, inmitten grauköpfiger Claqueure, von denen er auch während der Laudatio, gehalten u.a. von Außenminister Maas, keinerlei Widerspruch zu erwarten hatte. Der „Rechtspopulismus“ sei die einzig echte Gefahr für die Menschheit konstatierte der 89-jährige Soziologie-Professor anschließend – und lobte ausdrücklich Emmanuel Macron (F) und Kanzlerin Merkel für deren weitsichtiges Handeln, um diesem „Rechtsruck“ entgegenzuwirken.

Habermas Visionen von einem zentralistisch geführten Europa, in dem die nationalstaatlichen Bedürfnisse zugunsten eines kollektiven „Allgemeinwohls“ untergehen, sind nach wie vor integraler Bestandteil seiner Studien und Erkenntnisse. Die tatsächlichen und drängenden Probleme unserer Zeit, wie Masseneinwanderung, Gesellschaftsumformung und den unmittelbar daraus resultierenden Zusammenbruch der sozialen Systeme, erscheinen ihm  dagegen als noch nicht einmal erwähnenswert.

Das Festhalten an starren Dogmen und selbstgeschaffenen, mittlerweile jedoch überalterten Leitbildern ist geradezu symptomatisch für diese Generation von ideologisch aufgeladenen Geisteswissenschaftlern. Darüber hinaus gilt die Habermassche Rhetorik als hölzern – und seine literarische Qualität bleibt auch unter seinen Anhängern umstritten.

In den großzügigen Räumlichkeiten des GEZ-alimentierten ZDF-Studios in Berlin waren anlässlich seiner Ehrung alle vertreten, die diesen Kurs maßgeblich befürworten. Von Maas über Macron, bis hin zur Hauptstadt-Avantgarde und Vertretern des „Juste-Milieus“ waren all diejenigen vertreten, denen es ein zentrales Bedürfnis ist, Deutschland in seiner jetzigen Form ein für allemal abzuschaffen – und durch ein von Brüssel gesteuertes „Staaten-Kollektiv“ zu ersetzen, an dessen Spitze wiederum sie selbst stehen.

Gleichwohl; die bekannten feuchten 68-er Träume eben, nur mit einer dünnen akademisch-soziologischen Grundierung versehen – und in der bekannten Terminologie der Hochmoralisten verfasst.

Andere Meinungen will man nicht hören
Sie feiern sich eben gerne selbst, die Guten und noch Besseren, warnen ausdrücklich vor den politisch Andersdenkenden – und heften sich gegenseitig die Orden an die Brust, ohne dass hierbei der gesunde Menschenverstand, irgendein Anstand, oder gar die Verhältnismäßigkeit Berücksichtigung finden. Unweigerlich fühlte man sich angesichts dessen an die Zeremonien innerhalb des Zentralkomitees der DDR erinnert.

Freigeistliche Vertreter der Geisteswissenschaften vom Schlage eines Safranski oder Sloterdijk suchte man hier vergebens, denn auch in den Kreisen der sog. „Bobos“ (Bohème Burgeois) verortet man die Intelligenzija ja ausschließlich unter Seinesgleichen – und alle anderen Ansichten nimmt man in arrogant-despektierlicher Weise ohnehin nicht für voll, ja zumeist nicht einmal zur Kenntnis.

Von den weitaus tiefgründiger angesiedelten Vermächtnissen eines Kant, Hegel oder auch jenen des brillianten Dänen Kierkegaard, welche die Freiheit des Individuums und die eigenen, individuellen Entfaltungsmöglichkeiten der Gedanken als Maxime immer deutlich über alle anderen Normen ansiedelten, ist man in diesen elitären Zirkeln weit entfernt. Man frönt eher dem schlichten Geiste von Karl Marx – und adaptiert dessen Thesen dahingehend an die Neuzeit, indem man das nicht mehr vorhandene „Proletariat“ durch Millionen kulturfremder Zuwanderer ersetzt.

Gerade auch angesichts der aktuellen Umfragewerte unserer einzigen Oppositionspartei im bunten Lande ist man als konservativ-liberal gesinnter Geist und Bürger geradezu verpflichtet, diesen weltfremden Elfenbeinturmbewohnern endlich die Stirn zu bieten.

Nichtsdestotrotz: wer, in elitären Filterblasen beheimatet, glaubt, die Weisheit für sich gepachtet zu haben, dem wurde noch immer seitens der Geschichte Besseres gelehrt. Und dann kommt, wie auch schon zu Beginn der Philosophie vor über 2500 Jahren wieder die zentrale Erkenntnis zum Vorschein; das Staunen.
(pi-news.net)

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