Die Flaggenposse

„Revolution!“ im Karlsruher Schloss entfachte Sturm im Wasserglas

„Badens Farben“.

(gh) – Die Posse um eine Fahne auf dem Karlsruher Schloss ist wieder mal ein Zeichen von Unbildung und Geschichtsvergessenheit auf allen Ebenen. Anlässlich der Ausstellung „Revolution!“ wurde eine rote Fahne statt der badischen gehisst. Dies rief den grünen Ministerpräsidenten auf den Plan, obwohl gerade er einst als Erzkommunist hinter dem roten Tuch herlief. Er verbot diese Flagge und forderte die baden-württembergische. Nun darf während der Ausstellung wieder die badische flattern.

In Wirklichkeit sind alles Falschfarben, was badenweit vorgezeigt wird. Dieses Gelb-Rot-Gelb existiert erst seit 1891, hat also mit der badschen Revolte nichts zu tun. Die deutsche Revolutionsfahne ist Schwarz-Rot-Gold. Wer Gelb-Rot-Gelb nimmt, hat die Geroldsecker Farben vor sich, ein Grafenherrschaftshaus, welches im 17. Jahrhundert austarb. Die Geroldsecker Farben finden sich noch in vielen Ortswappen wieder, zwischen Lahr und Sulz am Neckar. Die Ruine der Stammburg Hohengeroldseck, von den Franzosen 1699 zertört,  liegt auf der Passhöhe zwschen Kinzig- und Schuttertal.

Das Wappen der Geroldsecker zeigt in gelbem Feld einen roten Querbalken, während das badische in gelbem Feld eien roten Schrägbalken hat.

Zur aktuellen Ausstellung „Revolution!“ in Karlsruhe: „It’s time for another revolution“, sagt Che Guevara im Werbespot eines bekannten Autoherstellers, in dem er mit anderen Alt-Revolutionären in einem abgelegenen Haus einen allzu ruhigen Lebensabend verbringt. „Revolution“ hat Konjunktur, ob im Werbeslogan, im Namen für Bands, Fernsehserien oder Achterbahnen. Aber was ist eigentlich eine Revolution? Und ist es wirklich Zeit für eine neue Revolution? Diesen Fragen geht die Sonderausstellung „Revolution!“ nach, die seit April 2018 im Badischen Landesmuseum bis 11.11. gezeigt wird.

Hundert Jahre nachdem die Novemberrevolutionäre auf dem Dach des Karlsruher Schlosses eine rote Fahne hissten und die großherzogliche Familie fluchtartig ihre Residenz verlassen musste, kehrt die Revolution nun dorthin zurück. Doch nicht nur die revolutionären Ereignisse der Jahre 1918/19 werden in der Ausstellung wieder lebendig, sondern auch zahlreiche andere: Von 1848/49 bis zur Wende in der ehemaligen DDR, von der Französischen Revolution bis zum Arabischen Frühling erleben die Besucher, was zu Revolutionen führt, wie sie ausbrechen, wer sie trägt und wovon Erfolg oder Scheitern der revolutionären Bemühungen abhängen können.

Öffnungszeiten
Di – So, Feiertage 10 – 18 Uhr
während der Sommerferien in Baden-Württemberg (26.7.18 – 9.9.18):
Di – Do 10 – 17 Uhr
Fr – So 10 – 18 Uhr
Eintrittspreise inkl. Sammlungen
Einzelbesucher     6 €
Ermäßigter Eintritt     5 €
Schüler     0,50 €
Familien     12 €

Warum ins Karlsruher Schloss, wenn die Freiheit im Rastatter Schloss eingesperrt ist vom Bund, im Freiheitsmuseum. Dort geht es um die Freiheitsbestrebungen, die in Deutschland nie zu einer Revolution geführt haben, denn die bedeutet gewaltsamen Umsturz. Und Hügel und Berge von Leichen. Daran hätte ein Ministerpräsident Anstoß nehmen müssen. An der unmenschlichen Kehrseite der Weltverbesserung. Jene, welcher der MP selbst ideologisch gefolgt ist und vielleicht noch folgt, hat bisher 100 Millionen Menschen den Tod gebracht.

Die Entwicklung der Baden-Fahne

1848

[Civil Flag 1848 (Baden, Germany)]

Gold-Gelb-Gold


1862

[Civil Flag 1862 (Baden, Germany)]

Gelb-Rot gestreift


 1871

[Civil Flag 1871 (Baden, Germany)]

Rot-Gelb.


1891-1925

[Civil Flag 1891-1925 and 1947-1952 (Baden, Germany)]

Gelb-Rot-Gelb

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