Öffentlicher Pranger

Diskriminierung ist, wenn man gegen Diskriminierung ist

Von Gastautor Steffen Meltzer

Wie funktioniert der öffentliche Pranger? Ganz einfach,: Das Zauberwort “Diskriminierung” reicht völlig aus.

Ein Apotheker hat eine Bewerberin auf eine offene Stelle abgelehnt. Die behauptet, das sei Diskriminierung. Sofort wird die politisch – korrekte Moralkeule geschwungen und alle, alle machen mit. Den Fall „nur“ zu beschreiben war gestern, die betreffende Apotheke muss auch noch in der Zeitung abgelichtet werden. Die dahintersteckende Botschaft könnte sein: „Dort darfst du nichts kaufen.“ Bilder verstärken bekanntlich vor allem emotional erzeugte Eindrücke. Der öffentliche Pranger endet nicht selten mit der Vernichtung der bürgerlichen Existenz. Die Zeiten, als man den Kopf des Hingerichteten noch ein paar Wochen auf einen Marterpfahl für alle sichtbar aufspießte, sind zwar vorbei aber virtuell zurückgekehrt. Öffentliche Angsterzeugung mit Abschreckungspotential ist obligatorisch.

Kriegsschauplatz ist in Obertshausen die PAM-Apotheke am Marktplatz.
Der betreffende Apothekeninhaber hatte es gewagt zu fragen, ob eine muslimische Stellenbewerberin während der Arbeitszeit ihr Kopftuch abnehmen würde.

Er begründete seine Frage damit, „dass in der Apotheke kein religiöses Symbol erlaubt sei, um allen Kunden gegenüber Neutralität zu gewährleisten. Die Kunden unabhängig jeglicher Religion sollten sich in der Apotheke wohl und gleichbehandelt fühlen.“

Als er das in einem Rückruf gegenüber der Bewerberin ansprach, hatte nach seinen Ausführungen die 27-jährige am Telefon gereizt und „fast aufbrausend“ reagiert. Da der Arbeitgeber auf eine ausgeglichene und vertrauensvolle Zusammenarbeit großen Wert legt, hat er schlussendlich die Bewerbung der Muslime abgelehnt. Wer lässt sich schon als Firmeninhaber von einer Stellenbewerberin anraunzen? Zwischen „Koch und Kellner“ existiert nun einmal eine gewisse Hierarchie, weltweit.

Nun aber zieht die abgelehnte Kopftuchfrau die Rassistenkarte und trumpft öffentlich auf. Dann mischt sich ein Anwalt ein, der sich explizit dem „Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus auf die Fahne geschrieben hat. Der Gerechte der Unterdrückten macht „den Vorfall“ in den sozialen Netzwerken auf seiner „Fanseite“ öffentlich. Damit ist die Eigendynamik als öffentlichen Anklage und der vermeintlichen Opferrolle nicht mehr aufzuhalten.

Aber auch die Frau ist angespannt-rührig, sie wendet sich in einem Rundumschlag an die Landesapothekenkammer sowie die Diskriminierungsstelle. Diese hätten Empfehlungen ausgesprochen, deshalb müsse sie jetzt vor den Kadi ziehen. Schwere Geschütze und das alles nur, weil der Apotheker wegen eines „respektlosen Tonfalls“, die Bewerberin abgelehnt hat.

Der Firmenchef wirft verzweifelt den Rettungsring in die Manege und versucht mit folgender öffentlichen Erklärung das sichere Ufer der bürgerlichen Mitte zu erreichen:
„Wir, die Mitarbeiter der PAM-Apotheke und ich, arbeiten nach dem Grundsatz: Alle Menschen sind gleich; gleich welcher Abstammung, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung oder sexuellen Ausrichtung. Daraus folgt notwendigerweise das Neutralitätsprinzip. Neutralität ist ein striktes Gebot des deutschen Religionsverfassungsrechts und bedeutet einfach religiös-weltanschauliche Unparteilichkeit in einer freien, offenen Gesellschaft. Wir halten uns strikt daran und senden keine Symbolik, welches diesem Prinzip widerspräche. In diesem Team arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Lebensläufen und unterschiedlichen Religionen – für jedes Teammitglied gelten diese Grundsätze und das wird in der Zukunft auch so bleiben!“

Ob es gegen den öffentlichen Shitstorm hilft darf bezweifelt werden.
Die Kopftuchträgerin dagegen erklärt:
„Wir leben im Jahr 2018, da sollte niemand aufgrund seiner Religion oder Kleidung diskriminiert werden. Der Apotheker habe sich über sie lustig machen wollen.“ Zitat Ende.

Der Fall kocht weiter hoch, denn jetzt greifen die Medien ein! Frontberichterstattung mit Fotoapparat, Kugelschreiber und Laptop. Die Übertragung der Daten in die Redaktion erfolgt direkt aus dem Krisengebiet des wenig integrierten deutschen Arbeitgebers, der aufsässig meint auf Neutralität zu bestehen.

Was man daraus lernen kann: Diskriminierung ist, wenn man gegen Diskriminierung ist und für eine demokratische offene Gesellschaft eintritt. Parallelen zum Fall Mesut Özil sind alles andere als zufällig.

(Steffen Meltzer, Autor von „Schlussakkord Deutschland – Wie die Politik unsere Sicherheit gefährdet und die Polizei im Stich lässt“.)
(vera-lengsfeld.de)

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